
Von Genf auf die grössten Bühnen des Golfsports: Albane Valenzuela und der Weg durch den Juniorengolf
Alle Spielerinnen und Spieler im Feld des Geneva Invitational jagen demselben Ziel nach: einem Resultat, das reist. Die AJGA Performance Based Entry Stars, die im Golf & Country Club de Bonmont vergeben werden, lassen sich direkt in Startplätze bei offiziellen AJGA-Turnieren in den USA ummünzen — jene Bühne, auf der die Trainer des amerikanischen College-Golfs rekrutieren. Der Schweizer Golfsport weiss, wie weit dieser Weg führen kann: Die Spielerin mit dem wohl stärksten Anspruch darauf, die erfolgreichste Golferin des Landes zu sein, hat ihre Karriere genau darauf gebaut — und ihre Geschichte beginnt in Genf, eine halbe Stunde von Bonmont entfernt.
Eine Juniorin, geformt in Genf
Albane Valenzuela wurde in New York geboren und schlug ihre ersten Bälle als Kleinkind in Mexiko-Stadt, doch zur Golferin wurde sie in Genf, wo sich ihre Familie 2003 niederliess, als sie sechs Jahre alt war. Das Spiel lag in der Familie: Ihr Vater Alberto spielte College-Golf an der UCLA, und ihre Eltern lernten sich in Evian kennen, am französischen Ufer des Genfersees. Sie besuchte die Ecole Moser, lernte das Wettkampfspiel von ihrem Heimclub in Genf aus — und wurde mit vierzehn Schweizer Bürgerin: die Flagge, die sie seither trägt. Von 2013 bis 2015 sammelte sie Schweizer Meistertitel und Order-of-Merit-Wertungen, dann begann sie auswärts zu gewinnen: die Spanish International Stroke Play, ein Platz im Team Europe am Junior Solheim Cup 2015 und, in Florida, Siege an zwei der grossen internationalen Juniorenturniere, dem Doral Publix Junior Classic und der Junior Orange Bowl.
Die Bewährung in Amerika
Die Resultate brachten ihr eine grössere Bühne — und sie lieferte weiter. Im August 2016, mit achtzehn Jahren und als eine von nur drei Amateurinnen im Feld, spielte sie für die Schweiz an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro — der Rückkehr des Golfsports nach 112 Jahren — und wurde geteilte 21. Ein Jahr später stand sie im Final des U.S. Women’s Amateur, der ältesten Frauen-Meisterschaft der USGA; 2019 erreichte sie diesen Final erneut. 2018 gewann sie die Order of Merit der European Golf Association und stieg auf Platz 2 des World Amateur Golf Ranking — eine Genfer Juniorin unter den zwei besten Amateurinnen der Welt.

Foto: Tomaz Silva/Agência Brasil, CC BY 3.0 BR, via Wikimedia Commons
Die Stanford-Jahre
College-Golf machte aus dem Versprechen eine Visitenkarte. In Stanford gewann Valenzuela als Freshman ein NCAA-Regional, holte in allen drei Saisons All-America-Ehren und wurde 2019 zur Pac-12 Golferin des Jahres gewählt — als erste Spielerin in der Geschichte des Stanford-Frauenteams — dazu First-Team-All-America-Ehren der Trainervereinigung wie auch von Golfweek. Im Hörsaal war sie so seriös wie auf dem Platz: Academic All-American, Abschluss 2020 mit Phi Beta Kappa. Als sie im November 2019 Profi wurde — nach einem geteilten sechsten Rang an der LPGA Q-Series, der ihr die Tourkarte brachte —, verliess sie das Amateurgolf von dessen Gipfel aus.

Foto: Suiren2022, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Drei Olympische Spiele und eine Solheim-Cup-Premiere
Seit 2020 auf der LPGA Tour, ist Valenzuela zur Konstanten des Schweizer Golfsports auf der Weltbühne geworden. Ihre olympische Bilanz liest sich wie eine Karriere im Kleinformat: geteilte 21. in Rio als Teenager und Amateurin, geteilte 18. in Tokio — mit ihrem jüngeren Bruder Alexis an der Tasche — und geteilte 13. in Paris 2024, mit einer abschliessenden 65 in Le Golf National, einer der Runden der Woche. Ihr bestes Major-Resultat ist ein geteilter vierter Rang an der Chevron Championship 2023. Und im September 2024 folgte der Meilenstein, den zuvor niemand aus dem Schweizer Golfsport erreicht hatte: ein Captain’s Pick von Suzann Pettersen für das Team Europe — als erste Spielerin oder Spieler aus der Schweiz überhaupt in einem Solheim Cup oder Ryder Cup.
Zurückgeben über die AJGA
Was ihre Geschichte in Bonmont besonders nachhallen lässt, ist, wo sie sie investiert. Seit 2021 ist Valenzuela Gastgeberin ihres eigenen Turniers im AJGA-Kalender — des Under Armour / Albane Valenzuela Girls Invitational in Mesa, Arizona — und steht damit neben Namen wie Annika Sörenstam, Se Ri Pak und Stacy Lewis in der kleinen Gruppe von Profis mit einem eigenen AJGA-Event. «Junior golf, and the AJGA in particular, played such an important role in helping to shape who I am as a player and person», sagte sie zum Start des Turniers — der Juniorengolf, und die AJGA im Besonderen, hätten entscheidend mitgeformt, wer sie als Spielerin und Mensch geworden sei.
Ein Familienweg
Der Weg zieht sich durch die ganze Familie. Alexis Valenzuela, ihr jüngerer Bruder, folgte derselben Route aus derselben Genfer Schule: drei Top-20-Resultate an AJGA-Turnieren, Medalist an einem Qualifier zum U.S. Junior Amateur, danach vier Jahre NCAA-Division-I-Golf an der SMU in Dallas. Mit drei Jahren erhielt Alexis die Diagnose Autismus, bis fünf sprach er nicht; er hat offen darüber gesprochen, was ihm das Spiel gegeben hat — und in Tokio stand er innerhalb der Seile Olympischer Spiele, als Caddie seiner Schwester. Zwei Genfer Junioren, zwei amerikanische College-Karrieren, eine Blaupause.
Das ist der Weg, den das Geneva Invitational nun vor die Schweizer Haustür gebracht hat. Die Performance Based Entry Stars, die in Bonmont vergeben werden, sind dieselbe Währung, die einst eine Juniorin aus Genf nach Stanford, an drei Olympische Spiele und in den Solheim Cup trug. Irgendwo auf dem Leaderboard dieser Woche schreibt sich das nächste Kapitel vielleicht schon.






